Die hessische Hugenottengemeinde Louisendorf wurde im Jahre 1687 gegründet. Louisendorf liegt in der Nähe von Frankenberg/Eder. 300. Geburtstag der Louisendorfer Kirche gefeiert Kaiserwetter beim Kirchenfest in Louisendorf FRANKENAU-LOUISENDORF (ug). Mit einem Gottesdienst in deutsch und französisch wurde Himmelfahrt der 300. Geburtstag der Kirche gefeiert. Aus der französischen Partnerstadt Die gratulierten 43 und aus dem englischen Wirksworth drei Gäste zum Jubiläum. Die kleine Fachwerkkirche konnte die vielen Besuchernicht alle aufnehmen.Die Kirchentür blieb deshalb offenund der Gottesdienst wurde per Mikrophon ins Freieübertragen, wo bei herrlichem Sonnenschein viele auf Bänken Platz fanden. Mit so gutem Wetter hatte niemand gerechnet. Fleißige Helfer der Feuerwehr hatten in Erwartung von Regenschauern zwei Zelte aufgebaut, die nun als Sonnenschutz dienten. Heinz Berg, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands begrüßte die Gäste in deutsch, seine Tochter Nadine übersetzte in französisch. Er ging auf die Geschichte des "Temple" ein. In einem Faltblatt der Gemeinde wird über die Entstehungsgeschichte informiert. Im Jahr 1688 erhielten 16 Hugenottenfamilien die Erlaubnis, im heutigen Louisendorf zusiedeln. Die Glaubensflüchtlinge hatten ihre Heimat rund um die heutige Partnerstadt Die verlassen. Bevor 1693 bis 1698 eigene Häuser gebaut wurden, wohnten sie in Nachbargemeinden. Der erste Pfarrer, Abraham Fontaine, wurde bereits am 20. Mai 1688 eingeführt. Dreisprachig gesungen. Der Gottesdienst wurde in der Kapelle des Klosters Georgenberg in Frankenberg bgehalten. Dazu nahmen die Kirchgänger einen einstündigen Fußmarsch über die Franzosentrift in Kauf. Nach einem Bittbrief an Landgraf Carl erhielt die Gemeinde 1699 die Erlaubnis, ein Gotteshaus zu bauen. Im Oktober 1702 feierten die Louisendorfer zum ersten Mal Gottesdienst in der neuen Fachwerkkirche. Das Pfarrhaus stand gleich nebenan, wurde aber bereits 1910/1912 wegen Unbewohnbarkeit wieder abgerissen. Einige bauliche Mängel traten in jüngster Zeit auch beim "Geburtstagskind" auf, wurden aber durch den Einbau eines zusätzlichen Stützbalken zunächst provisorisch behoben. "Mut, Beharrlichkeit und Glaubenseifer der Vorfahren sollte uns Vorbild bei den heute zu bewältigenden Problemen sein, damit die Kirche im Dorf bleibt", sagte Berg. Der heimische Pfarrer Heinrich Giugno und sein französischer Kollege aus Die, Paul Castelnau, gestalteten die Liturgie gemeinsam, immer abwechselnd in deutsch und in französisch. Die Lieder waren auf dem Liedblatt zusätzlich noch in englisch abgedruckt und so erklang der Gesang in allen drei Sprachen gleichzeitig.Die Festpredigt hielt Dekan Jean Desel, Vizepräsident des Deutschen Hugenottenvereins. Er ging auf das schwere Schicksal der Glaubensflüchtlinge ein. Ihnen wäre ihre Glaubensüberzeugung wichtiger gewesen, als ihr Wohlergehen in der französischen Heimat." Es war eine schwere Reise mit viel Leid." Dies berühre heute noch jeden, der die Berichte lese. Er trug ein Dankgedicht des damaligen Pfarrers in deutscher Übersetzung vor und erinnerte auch an die heutigen Flüchtlingsprobleme in der ganzen Welt. Einen alten Segensspruch der Hugenotten solle sich jeder zu Herzen nehmen : "Geht in Frieden und vergeßt die Armen nicht". Louisendorf nimmt im Rahmen der nordhessischen Hugenottenkolonien in bezug auf die Sprache eine besondere Stellung ein. Es ist die einzige Colonie in Nordhessen, in der sich die französische Sprache als Schul-, Kirchen-, Amts- und Umgangssprache länger als bis 1820 erhalten hat. Schulunterricht wurde bis 1850 ausschließlich in Französisch erteilt. Die Gottesdienste fanden bis 1870 in französischer Sprache statt. Ab 1870, fand sich kein reformierter Pfarrer mehr für die Gemeinde, der der franz. Sprache mächtig war. Gesprochen wurde das "Louisendorfer Französisch" als Umgangssprache noch bis in unsere Tage. Zur Zeit gibt es noch einen Einwohner (Jean Bastet) der Reste des "Louisendorfer Frranzösisch" sprechen und verstehen kann. Leider wird das alte Französisch von der jungen Generation nicht mehr verstanden und gesprochen. Schulscheune wie in Südfrankreich Bürgergruppe von Louisendorf will ein altes Hugenotten-Bauwerk erhalten Von Karl-Hermann Völker Parallelen: Mit Fotos aus Louisendorf und dem Drömetal belegen hier Planerin Dr. Renate Buchenauer und Willi Braun von der Interessengemeinschaft Schulscheune Louisendorf die Verwandtschaft zwischen ihrem Steingebäude (im Hintergrund) und Häusern gleicher Bauart in Frankreich. LOUISENDORF. Als die französischen Einwanderer im Jahr 1688 in "Hammonhausen" bei Frankenau ihre Fachwerkhäuser aufrichteten, arbeiteten sie nach hessischen Bauplänen. Sowohl der Baustil der Häuser wie auch die lineare Anlage der später Louisendorf genannten Siedlung an einer lang gezogenen Straße, gekreuzt von den Parzellen für Kirche und Schule im Zentrum, erinnern an die Hugenottenkolonie Carlsdorf bei Hofgeismar. Aber zwischen all den typisch nordhessischen Fachwerkhäusern fällt heute noch ein Gebäude auf, das so aussieht, als hätte es schon an den Berghängen der Dröme in Südfrankreich gestanden: die Schulscheune aus Feldlesesteinen. Noch in den 1960erJahren sprachen die älteren Bewohner von Louisendorf französisch, das alte Siedlungskonzept mit Kirche, Pfarrscheune, Schulhaus und Steinscheune als Querachse zum Dorfanger war noch deutlich sichtbar. Leider wurden in den späteren Jahren sowohl Pfarrscheune wie Schulgebäude abgerissen, und stattdessen entstand später in diesem Herzstück des Dorfes, der grazilen Fachwerkkirche direkt gegenüber, eine architektonisch völlig nichts sagende Feuerwehrgarage mit großen Toren. Die unscheinbare Schulscheune, die sich hinter dem Feuerwehrhaus verbirgt, "überlebte" den Kahlschlag wie durch ein Wunder. Mit zunehmendem Interesse an der Geschichte des Hugenottendorfesl das 1988 sein 300jähriges Bestehen eindrucksvoll feiern konnte, und bekräftigt durch die intensive Städtepartnerschaft mit Die im Drömetal, der Herkunftsregion der ersten Kolonisten, nahm in jüngster Zeit auch das Bewusstsein in der Louisendorfer Bevölkerung für die letzten noch sichtbaren Spuren aus der Gründerzeit zu. Und so entdeckten die Bürger auch, dass die einst zum Schulhaus gehörende Scheune von den eingewanderten Franzosen mit kleinformatigen Feldlesesteinen in der gleichen Weise aufgeschichtet und vermauert, mit den gleichen Entlastungsbögen über den Fenster- und Türstürzen versehen war wie in den Herkunftsgebieten der Hugenotten. Hier hatten die zwischen all dem teuren hessischen Holzwerk die bewährte Baukunst ihrer Bergtäler angewendet - Steine gab's auch in Louisendorf genug! Kommunalpolitische Versuche, dieses Denkmal zu erhalten, schlugen bisher fehl. Nun gründete sich eine Interessengemeinschaft "Schulscheune Louisendorf " mit einer Gruppe von Einwohnern, die das Gebäude vor dem Verfall retten will - sogar mit handwerklicher Eigenleistung. Eine erhaltende Sanierung des Gebäudes würde etwa 2 5 000 Euro kosten, hat Dr. Renate Buchenauer in ihrem Großseelheimer Planungsbüro ermittelt. Sie sieht dafür gute Chancen im Rahmen der Dorferneuerung, wenn 25 Prozent der Summe durch Spenden und Eigenleistungen aufgebracht würden. Eine Zusage des Partnerschaftsvereins Fankenau über 2500 Euro liege bereits zu. Willi Buttler, Sprecher der Interessengemeinschaft, ist überzeugt, dass es bei den Arbeiten viele helfende Hände und Förderer geben wird. Auch die Sparkassenstiftung von Waldeck-Frankenberg ist von der Bürgergruppe um Hilfe für das DenkmalschutzProjekt Schulscheune gebeten worden. Am 25. Januar 2003 soll es im Dorfgemeinschaftshaus von Louisendorf einen ersten Benefizabend zu Gunsten der Schulscheune geben. Der Dramaturg Dr. Joachim Hintze (Marburg) wird eine szenische Lesung aus seinem neuen Hugenottenstück "Die Flucht aus der Heimat" arrangieren.